Es ist ein Abend kurz vor 22 Uhr an
einem donnerstag
an dem ich länger aufbleiben kann und länger träumen und länger denken
ich lege den Laptop weg ich muss ihn sowieso wieder an den Strom hängen
vielleicht müsste ich auch mal wieder Kraft tanken denke ich
ich stehe auf und laufe an meinem Schreibtisch vorbei da liegt so wahnsinnig viel drauf
so ein Haufen voll Arbeit und ich kann
den Stress förmlich spüren der sofort in mir aufkommt
ich öffne meinen Kleiderschrank und
mir kommt ein ganzer Haufen entgegen aber keine Kleidung sondern
Erinnerungen die mir ein komisches Gefühl bereiten
mir wird flau im Magen doch ich beginne
ein wenig in ihm herumzuwühlen
dies das vielleicht ein wenig ausmisten
oder auch nur sortieren oder so ein Kram
mir fällt alles in die Hände von
Schuhen bis hin zu meinen Lieblingskleidern doch es ist ja Winter da
kann ich sie schlecht tragen wobei ich glaube ich will sie gar nicht
mehr tragen
da ist das eine weiße mit Spitzenmuster mein Lieblingsstück und mir wird schlecht wenn ich daran denke wie ich es dieser einen person zeigte und mir Komplimente an den Kopf schmiss die mir so schmeichelten das war der grund wieso ich es so oft getragen habe damals im Sommer und ich fühlte mich wahnsinnig gut darin und erinnerte mich immer und immer wieder an das Kompliment
hey du strahlst ja heute so dir scheint
es wohl echt gut zu gehen
fragten sie mich und ich konnte nicht
anders als nicken und sah im Spiegel diese unfassbar glücklichen
Augen seit ich ihm schrieb habe ich sie dachte ich mir
ich dachte nie daran dass es einen
Unterschied zwischen glücklichen und traurigen Augen gibt oder
Augenfarben aber doch jetzt wusste ich es wohl und meine strahlten
mehr denn je
ich glaube meine braunen Augen fangen
gleich feuer dachte ich mir immer aber das war mir so verdammt egal
ich hatte bereits eine Supernova in meinem Herzen warum dann nicht
auch ein Feuer das wäre doch gar nicht schlecht und irgendwie klang
das so schön poetisch
mir fallen andere Kleidungsstücke in die Hände
die abgetragenen Chucks oder die schwarze Jeans oder das andere Kleid mit dem Rückenausschnitt
oder die eine Spitzenunterwäsche
ich kann das alles kaum mehr tragen ich kann es nicht mal ansehen oder anfassen überall scheinen deine Worte zu kleben und ich spüre noch wie ich mit diesem Kleid am Gardasee saß und ich an dich dachte oder wie ich mit diesen abgetragenen Chucks Sommernächte erlebte mit Sternschnuppen und lieben Menschen und ich deine Nachrichten erhielt und ich fast platzte vor Glück hey du bist so oft am lächeln heute das ist echt schön dich so zu sehen
und ich war nur noch glücklicher und
diese Kleider sie haben immer nach ein wenig Glück und ich-
platze-gleich-vor-Freude gerochen das war ein duft den kriege ich nie
mehr los
ich knalle den Kleiderschrank zu und
gehe weiter da fällt mir dieses eine Parfum in die Hände und ich
kann nicht anders als daran zu riechen und es zu versprühen in
meinem Zimmer nein in meinem ganzen Herzen weil es nach dir riecht
verdammt es riecht an die Erinnerung es riecht nach Glück verdammt
und ich weiß nicht ob ich es wegschmeißen soll oder es behalten am
liebsten würde ich darin baden um einmal vielleicht nur einmal noch
das Gefühl zu haben dass es noch da ist dieses Glück aber hey bitte
sag mir dass du das nicht wollen würdest
weil wir uns sonst noch mehr verlieren
würden in all dem Chaos aber das gibt es doch nicht mehr
doch das gibt es dieses Chaos ich
brauche nur meinen Kleiderschrank öffnen und etwas anziehen mit
dieser Erinnerung in meinem Kopf und muss nur einmal diesen Duft
versprühen nur einmal diese verfluchten Lieder spielen lassen und
schon bin ich wieder drin in diesem ganzen Chaos das ich hinter mir
lassen will
doch wie soll ich wie kann ich wenn es
doch der ganze alltag ist der mich an dich erinnert
ich will diese Kleider nicht mehr tragen ich schlage die Schranktüren zu ich möchte diesen Duft nicht mehr riechen und lasse den Flakon zu Scherben zerspringen und jetzt läuft das Parfüm aus und diese Erinnerung verbreitet sich und jetzt bade ich doch darin und alles ist verseucht
eigentlich ist es das nicht sagt da etwas in mir doch ich kann nicht anders als alles wegzukehren und mich nun ins Bett zu legen und schlafen zu gehen ja verdammt das werde ich ich brauch dich nicht
es ist mitten in der nacht kurz nach 2 Uhr morgens
ich hole all die Scherben versuche sie zusammenzusetzen und sitze nun still und heimlich herum
und bade nun doch in dem Meer aus Erinnerungen dessen Wellen mich immer wieder zurück in die Vergangenheit schwemmen
wer zeigt mir in all dem nicht zu ertrinken?